Was es heißt, wenn 20 Mio. Bienen auf dem Highway fliegen

Diese Woche war’s in verschiedenen Medien zu lesen. In Delaware ist ein Truck mit 16-20 Millionen Bienen auf einem US-Highway umgekippt. Der Fahrer  und seine Begleiter haben 50 Sticke abbekommen. Die Bienen befanden sich auf der Reise von Florida nach Maine um dort Blaubeeren zu bestäuben. Delaware liegt etwa auf der Hälfte der 2500 Km langen Strecke. Offensichtlich war man von Seiten der lokalen Imker auf derlei Unfälle gut vorbereitet, da es einen “Bee Removal Plan” gab, bei dem lokale Imker helfen die Schwärme einzufangen.

Wanderimkerei gibt es auch in Deutschland, aber in ganz anderen Dimensionen. Meist sehr lokal unterscheidet sich die Bienenhaltung in Deutschland ganz grundlegend von der in den USA.  Auf der Website von globale-almende wird das sehr schön erklärt. Die großen Monokulturflächen erfordern eine Bestäubung durch eine Vielzahl von Bienenvölkern. Da die Staaten bekanntlich riesig und über mehrere klimatische Zonen verteilt sind, werden an unterschiedlichen Stellen zu unterschiedlichen Zeiten im gigantischen Ausmaß landwirtschaftliche Produkte angebaut:

  • Februar: Mandelblüte in Kalifornien
  • März: Bestäubung von Apfelblüten im Bundesstaat Washington
  • Mai: zu den Raps- und Sonnenblumen in South Dakota
  • Juni: Blaubeerenbestäubung in Maine
  • Juli: Kürbisfeldern in Pennsylvania
  • August bis Januar: Überwinterung in Florida

Eine Jahresroute kann bis zu 18.000 km betragen. Und einer dieser Tieflader, vollgeladen mit Bienen hat es also in Dellaware zerlegt.  Es geht also um das große Geschäft. Industrielle Landwirtschaft mit industrieller Bestäubung von industriell organisierten “Imkern”.

In Deutschland halten die etwa 100.000 Imker  nach Angaben des deutschen Imkerbundes  im Durchschnitt 7,3 Bienenvölker. Weniger als ein Prozent betreiben die Imkerei erwerbsmäßig. 80 % der Imker sind für 1–20 Völker verantwortlich . Im Vergleich gibt es in den USA geschätzt  115 – 125.000 Imker*  Auch hier besteht der Großteil aus Hobbyists. Die Anzahl von Völkern wird mit 2,64 Milionen angegeben (basierend auf Imkern mit fünf oder mehr Bienenvölkern)*

Allein auf Grund der Größe des Landes und der sehr  ungenauen Zahlen kann man sich zusammenreimen (nicht rechnen), welchen hohen Beitrag die lokalen Bienen und ihre Imker leisten. Noch müssen keine LKW-Trucks von Bayern in den Norden oder umgekehrt transportiert werden. Aber Alarmsignale gibt es aber auch hierzulande.

*2012 Industry Survey, Bee Culture Magazine
**National Honey Board (NHB) is an industry-funded agriculture promotion group

Biologisch, aber nicht zertifiziert

Honig gehört den natürlichsten Nahrungsmitteln die es gibt. Bienen fliegen von Blume zu Blume und saugen den Nektar mit ihren Rüssel in den Honigmagen, der nach etwa 200 Blüten gefüllt ist. Bis zu fünf Ausflüge schafft je nach Blütenlage die Biene am Tag. Im Stock geben die Arbeiterinnen den Nektar von Biene zu Biene weiter und reichern ihn bei der Futterübergabe mit keimtötenden Inhaltsstoffen und Drüsensekreten mit Eiweißverbindungen an. Der halbfertige Honig wird in Bienenwaben eingelagert. In diesen Reifeprozess verliert der Honig Wasser und wird haltbar. Das schaffen die Bienen ganz von alleine. Einen Imker braucht es dafür nicht.

Ist Honig für diesen geschlossenen Kreislauf nicht dann automatisch Bio? Natürlich nicht, weil es dafür nämlich Zertifizierungen gibt die den Verbraucher die Gewissheit geben sollen, dass genau das im Honig ist, was man als Honigfreund erwartet. Naturbelassener Honig und nix anderes. Ich hab mal auf der Website Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mal nachgelesen was die ökologischen Aspekte für biologisches Imkern ist: Es geht darum „möglichst hochwertige Produkte herzustellen, die möglichst Tier- und umweltschutzgerecht erfolgen. Es werden aber auch wirtschaftliche Aspekte genannt. Zum Beispiel,“ weil Die Nachfrage nach Ökoprodukten ständig steigt und Betrieben eine mögliche Vermartkungsschiene eröffnet“. Ab 30 Bienenvölkern rentieren sich aber erst die Kosten die für die Zertifizierung und die regelmäßigen Kontrollen entstehen. Auch wenn das Agrarministerium hierzulande einen „Kontrollzuschuss“ von 200 € anbietet, ist bei unseren wenigen Wirtschaftsvölkern keine Option, da wir dann jedes Glas Honig etwa 2 € teuerer machen müssten obwohl es das gleiche Produkt ist. Ach ja, natürlich ist der Anforderungskatalog für Bioimker länger,

  • aber wir geben bei Bienen der Apis mellifera und ihren lokalen Ökotypen den Vorzug.
  • Die Bienenstöcke sind so aufzustellen, dass im Umkreis von drei Kilometern um den Standort Nektar- und Pollentrachten im Wesentlichen aus ökologischen/biologischen Kulturen und/oder Wildpflanzen und/oder Kulturen bestehen: Wir stehen mit unserem Bienenstand auf dem Gelände des Landschaftspark Hachinger Tal. Darüber hinaus können wir vermutlich auch nicht mehr sagen, als die meisten Bio-Imker.
  • Wir nutzen auch Bienenwohnungen aus Holz.
  • Waben mit Brut werden natürlich nicht geschleudert.
  • Wir verwenden vorwiegend Mittelwände aus pestizitfreien Wachs.
  • Selbstverständlich beschneiden wir nicht die Flügel der Königinnen.
  • Zur Bekämpfung der Varroa-Milbe nutzen wir nur organischen Säuren.
  • Zur Völkervermehrung nutzen wir sowohl die Ablegerbildung bei Schwarmtrieb (standbegattet), aber auch die Hinzunahme belegstellenbegatteter Königinnen, vorrangig um mit  varroaresistenten  und sanftmütigen Völkern arbeiten zu können. Hier sind Bioimker strenger (nur natürliche Vermehrung). Bei einer überschaubaren Anzahl von Vökern ist unser eigener Genpool dafür zu gering.

Ja, wir nehmen uns viel Zeit um den naturbelassenen Honig (keine Wärmebehandlung) per Hand zu rühren und dadruch eine tolle, cremige Konsistenz zu erhalten. Das dauert schon einige Wochen.

Nein, wir verwenden zur Wintereinfütterung keinen Biozucker. Als ich neulich von einem Bioimker erfahren habe, dass er seinen Zucker letztes Jahr aus Indien bezogen hat, musste ich schmunzeln.