Der Raps verschwindet, wir können bald schleudern!

Folgte man noch vor wenigen Wochen der Autobahn ab Ramersdorf, wurde es ganz schön gelb. Rechts und links blendeten leuchtende Rapsfelder die Augen. Wenn die Sonne scheint, der Himmel blau ist, kommen die Farben besonders zur Geltung. Ich mag diese Zeit, ich mag das Gelb.  Auch wenn unsere Bienen zu den teils Rapsfeldern weiter fliegen müssen, als zu den Löwenzahn und Wiesenblumen, schmeckt man den ganzen Charakter der im Mai und Juni aufblühenden Natur besonders in der ersten Honigschleuderung. Der Honig ist hell und mild.  

Jetzt, wo von dem Lieblingsgelb kaum mehr was übrig ist und die grünen Stängel die Farbnote vorgeben, wird es Zeit für die erste Honigernte.  Mit Blick auf das Wetter und in den Honigraum haben wir die letzten Wochen ganz genau beobachtet, was die Hurra-Bienen schon geleistet haben. Die Anzahl der verdeckelten Waben steigt und steigt. Die erste Fingerprobe lässt vorausahnen, dass unser Honig wieder wunderbar wird!

 

 

 

Mischung von Honig aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern

Honig ist kein Luxusprodukt mehr. Zumindest heute. In jedem Supermarkt gibt es eine große Vielfalt unterschiedlicher Marken und Sorten. Honig ist im Vergleich zum Aufwand seiner Gewinnung sogar spottbillig. Mancher sogar unanständig günstig. Dies wird einem erst bewusst, wenn man sich bemüht, selbst ein gutes Produkt herzustellen. Wie neulich im Discounter. Rechts neben Nutella, links neben Marmelade und über der Buttotorte standen verschiedene Honig-Marken und Sorten. Der günstigste Honig für € 2,39, der Teuerste für nur € 4,29.

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von etwa einem Kilo Honig, liegt Deutschland lt. dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft weltweit an der Spitze. Fast zwei Drittel aller Verbraucher essen regelmäßig Honig. Der Honigertrag aller deutschen Imker beträgt nach Auskunft des Deutschen Imkerbundes aber nur 20% des hiesigen Verbrauches.

Der Honig kommt aus der ganzen Welt. Zum Beispiel aus Mexiko, unserem wichtigsten Honiglieferanten (Destatis/2013)  vor Argentinien und China. Da laut Forsa-Umfrage  es 78 Prozent der Verbraucher wichtig ist, dass der Honig aus Europa stammt und immerhin 73 Prozent angeben auf deutsche Produkte zu achten und  67 Prozent sogar Bienenhonig aus der Heimatregion bevorzugen, muss man sich die berechtigte Frage stellen, ob der Konsument eigentlich aufs Label guckt. Vermutlich eher nicht.

Mann kann sich vorstellen, dass der angebotene Honig meist von großen Imkereien angeboten wird, die zum Teil nicht deutschen Qualitätsstandart nicht. Man darf davon ausgehen, dass das industrielle Verflüssigen großer Mengen Honig zudem teils unter Verwendung von Hitze über 40° geschieht. Honig besteht aus Anteilen von Blütenpollen, Enzymen und Inhaltsstoffen wie Vitamine, Säuren, Fermenten und Aromen. Erhitzt man den Honig auf über 38° bleibt Zucker übrig, der wie Honig schmeckt und wunderbar flüssig ist. Wie war das mit dem Honigplatzierung im Supermarkt neben Nutella, Marmelade und Butterkuchen? Hurra, Honig! wird übrigens immer kalt geschleudert und nie erwärmt.

Warum also auf Honigmischungen aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern verzichten?

  • Bienen in Nicht-EU Ländern bestäuben in Deutschland oder in Deiner Umgebung keine Pflanzen.
  • Da echter deutscher Imkerhonig nicht künstlich aufbereitet ist sondern in seinem “Rohzustand” angeboten wird. D.h. alle Inhaltsstoffe sind noch vorhanden.
  • Unterstützung lokaler Imker
  • Kurze Transportwege sind viel umweltfreundlicher

Braucht es noch mehr Argumente für Imkerhonig?

Die “Ich-mach-das-selbst-billiger-Lüge”

Imkern ist keine günstiges Hobbie. Wer meint, mit dem Verkauf von Honig schnell alle laufenden Kosten zu decken zu können, wird sich wundern. Beuten (Bienenwohnungen) wollen gekauft, Imkerbluse, Stockmeissel, Handschuhe gehen schnell in die hunderte von Euro. Kann man sich zu Beginn der Imkerkarriere mit einer geliehenen Honigschleuder behelfen, steigen die laufenden Kosten mit jedem Bienenvolk. Der Imker fängt an sich zu überlegen, wie er mit Eigenleistung die Ausgaben deckeln kann.

  • Zum Beispiel bei Ablegerkästen. Das sind Holzkisten mit Deckeln für für Brut- oder Honigrahmen in denen man den Grundstock für ein neues Volk legt. Mit Bauanleitung aus dem Internet stand ich beim Holzfachmarkt Rettenberger in Ottobrunn und habe mir die Teile für zwei Startkisten zusägen lassen. Und Autsch! Material und Zuschnitt hatten plötzlich genau so viel gekostet wie eine Fertigbox von der Stange.
  • Da man aus Fehlern lernt, beim nächsten Versuch einen Bausatz für einen Sonnenwachsschmelzer gekauft. Dieser war in Summe günstiger als ein Neukauf, aber das Endergebnis war eigentlich Mist. Dank schlechter Dokumentation im Bildflug zum suboptimalen Endergebnis.
  • Holzrahmen hab ich auch schon mal aus Bauteilen zusammengebaut. Nageln und Leimen geht eigentlich schnell, aber man braucht pro Zarge 10 Stück ( mal drei pro Volk).
    Das stramme verdrahten jedes Rahmens ist aber nicht ohne.  Gebrauchsfertige Rahmen hab ich mittlerweile auch schon deutlich günstiger gesehen.

Warum macht man die gleichen Fehler immer und immer wieder? Vermutlich weil’s doch irgendwo Spaß macht und man am Ende meist stolz ist, selbst die Lebensumgebung seiner Bienen (besser = Anspruch) zu gestalten. So auch auf die selbstgebauten Freistände. Eigener Plan, raffinierte Ausklappbare Vorderwand, aufstellbares Dach für bequemeres Imkern. Mögen sie lange halten und Sinnbild für die eigene phantastische Genialität zu sein ;-).

Mai und Juni ist Schwarmzeit

Die Bienenvölker entwickeln sich prima. Fast zu gut. Bereits an den letzte drei Wochenenden haben wir Maßnahmen zur Schwarmvorbeugung vorgenommen. Zwei Fluglinge und zwei Königinnenableger sollen das Abschwärmen verhindern. Nachdem wir letztes Jahr nicht alle Bienen halten konnten wollen wir es diesmal besser machen.

Gleich um die Ecke war ein anderer Imker mit seiner Schwarmvorbeugung wohl nicht ganz so erfolgreich. Mitten im schönsten Imkern hat Peter am Sonntag einen Anruf erhalten. Bereits zum zweiten Mal wurde er von der gleichen Anruferin verständigt, bei der es sich mehrere tausend Bienen gemütlich gemacht hatten und auf die Rückkehr ihrer Spurbienen warteten. Sie haben alles mit dabei um mit ihrer Köning eine neue Existenz zu gründen. Mit einem Schwarm verliert ein Volk sehr viele seiner Bienen was für den Imker viel weniger Honig bedeutet.

Über die Schwarmverhinderung wird in Inkerkreisen viel diskutiert. Während die Halter der Bienenkiste oder z.B. Demeter-Imker Bienen bewusst abschwärmen lassen und dabei hoffen, den Schwarm selbst wieder einzufangen, macht das der “normale” Imker nicht. Wir haben uns gegen das Abschwärmen lassen entschieden, da der Auszug der Bienen meist zur Mittagszeit erfolgt und man Wochentags kaum die Möglichkeit hat, sich vors Flugloch zu setzen, Bienenschwärme meist hohe Aufregung innerhalb der Bevölkerung verursachen und Schwarmverhinderung ohne Schädigung der Königin eine echte Vorteilssituation für Biene und Imker darstellt, da es hohle Bäume als Brutsraum bei uns schon lange nicht mehr gibt.

Findet man eine Weiselzelle auf einer seiner Waben ist es meist zu spät. Das Volk ist in Schwamstimmung und kann nur noch durch einen Königinnenableger gehalten werden.