Nachtbiomarkt Neubiberg: Hurra, Honig! ist am 17.07. dabei

Unsere Planungen für die erste Teilnahme am Nachtbiomarkt Neubiberg laufen auf Hochtouren. Ganz ehrlich, Hurra, Honig! ist klein aber fein. Nicht mehr als neun Wirtschaftsvölker stehen derzeit im Landschaftspark Hachinger Tal. Primär wirtschaftlich motiviert sind wir nicht, da die Imkerei  ein Ausgleich zum Hauptberuf ist. Dennoch freuen wir uns auf den ersten Verkaufsstand auf dem Nachtbiomarkt Neubiberg, weil wir das Feedback auf unseren Honig gerne persönlich abholen.
Nachtbiomarkt Neubiberg

 

Ein Besuch des Nachtbiomarktes Neubiberg lohnt sich aber bestimmt, weil er dieses Jahr noch größer und vielfältiger wird. Das Programm liest sich vielverprechend. Zu entdecken gibt es neben Hurra, Honig!:
  • Direktvermarkter,
  • Naturkosthändler,
  • Biowirte,
  • Vereine und Umweltschutzinitiativen,
  • Aktionen für die ganze Familie, und
  • die „Rubber Soul Connection“ mit ihrem facettenreichen Vocal-Rock-Pop.

Ach ja, weil auch die Tochter in der Schulband der Montessorischule Emile singt, lässt sich das Schöne mit dem Angenehmen verbinden. Prämiere haben also nicht nur der erste Honigstand, sondern auch der erste öffentliche Auftritt.

Stimmt die Zielgruppe der Käufer von Imkerhonig mit den eigenen Beobachtungen überein. Wir dürfen gespannt sein.
Hier gehts zum Blogbeitrag “Imker-Honig oder Nutella? Eine Zielgruppenbetrachtung.” ;-)

Der Nachtbiomarkt Neubiberg  findet am 17.07. von 18:00 – 22:00 Uhr im Umweltgarten Neubiberg, Äußere Hauptstraße 10 statt. Vielleicht dürfen wir Euch Honig aufs Brot schmieren?

 

Imker-Honig oder Nutella? Eine Zielgruppenbetrachtung

Deutschland gehört zu  den weltweit größten Honigkonsumenten . Laut einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums von 2013 essen zwei Drittel aller Verbraucher in Deutschland (63 Prozent) regelmäßig Honig. Wer aber sind genau  die Nutzer, die beim Kauf mehr auf die Naturbelassenheit des Honigs achten, und somit potenzielle Kunden lokaler Imker sind? Für Werbungtreibende gibt es hervorragende Untersuchungen die sich auswerten lassen.  So zum Beispiel die Verbraucheranalyse 2012. Der VA liegen repräsentative Befragungen der deutschen Bevölkerung vor, die sowohl  soziodemografische Aspekte,  wie z. B. Alter, Wohnort oder Familienstand  als auch Konsumeinstellungen (Kaufabsichten  / -Präferenzen) berücksichtigen. Aus Neugierde hab ich mir einmal die Zahlen näher angesehen:

Wer gehört zu den regelmäßigen Honigessern?

Ausgehend von der deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahre die Honig verwenden, wird Honig in nahezu allen Bundesländern mit gleicher Intensität genossen (22,63 Mio). Lediglich Sachsen-Anhalt, hat bei den Intensiv- und Mittelverwendern (2 mal die Woche) geringfügig die Nase vorne. Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Berlin bilden das Schlusslicht.

Laut Forsaumfrage (16./17. Mai 2013, 1003 Befragte) von 201s für das Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz  ist Honig in Ostdeutschland mit 73 Prozent regelmäßiger Konsumenten sogar noch beliebter als im Westen (61 Prozent). Abhängig davon, was Forsaumfrage unter “regelmäßig” versteht, erkennt man Parallelen mit der Verbraucheranalyse.

Wer achtet beim Honigkauf auf Natur- und Bioprodukte, auch wenn Sie teurer sind?

Um der Zielgruppe für Imkerhonig näherzukommen,  habe ich dem Attribut der Honig Intensiv- und Mittelverwender zusätzlich den Filter “Ich kaufe gezielt Natur- und Bioprodukte, auch wenn sie teurer sind” verpasst. Das macht in Summe 7,34 Mio. Verwender und somit 1/3 weniger als der “gemeine” Honig-Intensivverwender. Erstaunlicherweise ändern sich nun die vorherigen Indexwerte (100% = Durchschnitt) der Verbraucher in den Bundesländern. Bis auf die Insel Bremen grenzen sich nun Norddeutschland und Ostdeutschland von Süd und Mitteldeutschland ab. Scheinbar essen Deutsche gerne Honig, greifen dabei aber lieber zum günstigeren Produkt aus dem Supermarkt.

Um eine These für die Ursache zu entwickeln, habe ich mir die Imkerdichte vom Deutschen Imkerbund für unser Land angesehen. Von diesen Zahlen ausgehend kann man mutmaßen,  dass man in Ostdeutschland sehr gerne Honig konsumiert, aber diesen vorwiegend im Supermarkt kauft, da es keine Bindung zum lokalen Imker gibt.

Nutella oder Honig?

Da haben Ferrero und die anderen Anbieter von Nuss- Nougatcremes gute Arbeit geleistet.  Besonders bei jungen intensiv- und Mittelverwendern ist das “braune Gold” deutlich beliebter als Honig. Die Präferenz für natürliche Lebensmittel und das Wissen, warum sie so wertvoll sind, scheint noch nicht ausgeprägt. Gegessen wird was schmeckt. Der gezielte Einkauf von Natur und Bioprodukten macht erst ab 30 Jahre einen Sprung bei den Indexwerten.

Der “gemeine” Honigintensivverwender (ohne Präferenz für teils auch teurere Natur- und Bioprodukte) ist 40 Jahre. Hier gleichen sich die Indexwerte aus und die Honigliebhaber übernehmen die Führung. Gut für die  Imker, durch die Alterspyramide ist (noch) die Anzahl der Honigverbraucher in Summe deutlich höher, als bei jungen Zielgruppen.

Der Absatzmarkt bei jungen Honiggenießer ist für Imker natürlich nicht verloren, wenn auch der Honig-Indexwerte für Intensivverwendern  unter denen von Nuss- und Nougat-Cremes liegt. Man isst was einfach zu kaufen ist und schmeckt. Mit 14,91 Mio. Nuss- Nougat-Chreme Intensiv- und Mittelverwender sind es in Summe weniger als Liebhaber von Honig. Aber Obacht.

Spannend ist finde ich, in diesem Zusammenhang die Betrachtung der Milieus nach Sigma. In dieser Betrachtung werden Verbrachercluster nach sozialen Status im Verhältnis zum Werteverständnis der Deutschen gebildet. Zu den Nuss- und Nougat-Cremes Mittel- und Intensivverwendern gehören das “Moderne Arbeitnehmermilieu” (Junge mittlere Mittelschicht, vielfach bestehend aus Facharbeitern moderner Dienstleistungen, ambitioniert und konsumfreudig), das “Hedonistische Milieu” (jugendkulturelles Millieu aus dem untern bis mittleren Mittelschicht, mit hohem Drang nach Freiheit, Ungebundenheit und Spontaneität) sowie das “Postmoderne Milieu” (Mittlere- und obere Mittelschicht, junges, formal zumeist hochgebildetes Avantgarde-Milieu, die Widersprüchen kokettiert).

Zu den Honig Mittel- und Intensivverwendern denen ich den Kauf beim Imker unterstelle, gehören besonders  das “Etablierte Milieu” (konservatives Elitemilieu mit traditioneller Lebensführung”, das “Liberal-Intellektuelles Milieu” (schätzen sinnstiftenden Genuß auf hohem Niveau, praktizieren eines verantwortungsbewußtem Umgang mit sich und der Welt ) und das “moderne Bürgerliche Milieu (Mittleren Mittelschicht dem Lebensqualität,  materielles wie auch emotionales Wohlergehen für Familie und Kinder wichtig ist)

Wächst eine Generation von Honigverweigerer nach?

Das ist eher unwahrscheinlich. Honig ist ein wertvolles und leckeres Lebensmittel. Honigintensivverwender von Imkerhonig finden wir besonders in Familien mit Kindern unter 14 Jahren. Diese Präferenz ändert sich auch in den Familien nicht, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Wie informiert ist der Honigkonsument über die Herkunft seines Honigs?

Sehr spannend finde ich auch weitere folgende Forsa-Zahlen: 73 Prozent der Befragten geben an, auf deutsche Produkte zu achten – 67 Prozent bevorzugen vor allem Bienenhonig aus ihrer Heimatregion. Legt man die Honigproduktion des Landes dagegen, deckt die hiesige Honig-Produktion gerade mal 20 % der Nachfrage. Glaubt der Durchschnitts-Honigkunde wenn er im Supermarkt, dass er lokalen Honig kauft, aber dafür eine Mischung von Honig aus EG- Ländern und Nicht-EG-Ländern erhält?

Wer ist meine Honigzielgruppe?

Diese Frage beantwortet sich meist sehr schnell, da der Hauptabsatz eines Hobbyimkers im unmittelbaren Familien, Freundes, Kollegen und Nachbarschaftsumfeld stattfindet und vermutlich nur zum Teil alternative Absatzkanäle wie Märkte für sich nutzt.
Zugegeben, es macht mir Freude meinen Honig nicht im Deutschen Imker-Glas zu verkaufen, da es mehr Freude macht, den Honig  etwas von der eigenen Freude am Imkern mitzugeben, sowie seine Charakter herauszuarbeiten. Motivierend: Es wäre schön, wenn Hurra, Honig! auch ein klein wenig dazu beiträgt, den Honigkunden von morgen ein Treppchen zu bauen ;-).

Das Honig-Wunder

Der Deutsche Imkerbund gibt an, dass  für 500 g Honig die Sammelbienen eines Volkes ungefähr 120.000 km fliegen müssen. Das ist umgerechnet dreimal um die Erde.  Wenn man überlegt, dass eine Sommerbiene nur etwa 5 – 6 Wochen lebt, kann man sich ausrechnen, dass in jedem Glas Honig die unglaubliche Leistung  steckt. Bienenforscher Jürgen Tautz hat ausgerechnet, dass über den Daumen gepeilt ungefähr ein halbes Gramm Honig als Lebensleistung einer Honigbiene angesetzt werden kann. Dafür ist sie am Tag 3 bis 10 mal ausgeflogen und hat an 10 bis 20 Tagen Nektar gesammelt. 

Für diese großartige Leistung ist den Bienen Respekt entgegenzubringen.  Wenn wir unseren Honig verkaufen, dann kann der Käufer natürlich damit machen was er will. Ganz ehrlich? Am liebsten habe ich es, wenn der Honig mit all seinen wertvollen Inhaltsstoffen auf einer guten Scheibe Brot genossen wird. Mir schaudert es, wenn er zum Backen verwendet wird. Aber das kommt vor.

Mischung von Honig aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern

Honig ist kein Luxusprodukt mehr. Zumindest heute. In jedem Supermarkt gibt es eine große Vielfalt unterschiedlicher Marken und Sorten. Honig ist im Vergleich zum Aufwand seiner Gewinnung sogar spottbillig. Mancher sogar unanständig günstig. Dies wird einem erst bewusst, wenn man sich bemüht, selbst ein gutes Produkt herzustellen. Wie neulich im Discounter. Rechts neben Nutella, links neben Marmelade und über der Buttotorte standen verschiedene Honig-Marken und Sorten. Der günstigste Honig für € 2,39, der Teuerste für nur € 4,29.

Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von etwa einem Kilo Honig, liegt Deutschland lt. dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft weltweit an der Spitze. Fast zwei Drittel aller Verbraucher essen regelmäßig Honig. Der Honigertrag aller deutschen Imker beträgt nach Auskunft des Deutschen Imkerbundes aber nur 20% des hiesigen Verbrauches.

Der Honig kommt aus der ganzen Welt. Zum Beispiel aus Mexiko, unserem wichtigsten Honiglieferanten (Destatis/2013)  vor Argentinien und China. Da laut Forsa-Umfrage  es 78 Prozent der Verbraucher wichtig ist, dass der Honig aus Europa stammt und immerhin 73 Prozent angeben auf deutsche Produkte zu achten und  67 Prozent sogar Bienenhonig aus der Heimatregion bevorzugen, muss man sich die berechtigte Frage stellen, ob der Konsument eigentlich aufs Label guckt. Vermutlich eher nicht.

Mann kann sich vorstellen, dass der angebotene Honig meist von großen Imkereien angeboten wird, die zum Teil nicht deutschen Qualitätsstandart nicht. Man darf davon ausgehen, dass das industrielle Verflüssigen großer Mengen Honig zudem teils unter Verwendung von Hitze über 40° geschieht. Honig besteht aus Anteilen von Blütenpollen, Enzymen und Inhaltsstoffen wie Vitamine, Säuren, Fermenten und Aromen. Erhitzt man den Honig auf über 38° bleibt Zucker übrig, der wie Honig schmeckt und wunderbar flüssig ist. Wie war das mit dem Honigplatzierung im Supermarkt neben Nutella, Marmelade und Butterkuchen? Hurra, Honig! wird übrigens immer kalt geschleudert und nie erwärmt.

Warum also auf Honigmischungen aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern verzichten?

  • Bienen in Nicht-EU Ländern bestäuben in Deutschland oder in Deiner Umgebung keine Pflanzen.
  • Da echter deutscher Imkerhonig nicht künstlich aufbereitet ist sondern in seinem “Rohzustand” angeboten wird. D.h. alle Inhaltsstoffe sind noch vorhanden.
  • Unterstützung lokaler Imker
  • Kurze Transportwege sind viel umweltfreundlicher

Braucht es noch mehr Argumente für Imkerhonig?

Biologisch, aber nicht zertifiziert

Honig gehört den natürlichsten Nahrungsmitteln die es gibt. Bienen fliegen von Blume zu Blume und saugen den Nektar mit ihren Rüssel in den Honigmagen, der nach etwa 200 Blüten gefüllt ist. Bis zu fünf Ausflüge schafft je nach Blütenlage die Biene am Tag. Im Stock geben die Arbeiterinnen den Nektar von Biene zu Biene weiter und reichern ihn bei der Futterübergabe mit keimtötenden Inhaltsstoffen und Drüsensekreten mit Eiweißverbindungen an. Der halbfertige Honig wird in Bienenwaben eingelagert. In diesen Reifeprozess verliert der Honig Wasser und wird haltbar. Das schaffen die Bienen ganz von alleine. Einen Imker braucht es dafür nicht.

Ist Honig für diesen geschlossenen Kreislauf nicht dann automatisch Bio? Natürlich nicht, weil es dafür nämlich Zertifizierungen gibt die den Verbraucher die Gewissheit geben sollen, dass genau das im Honig ist, was man als Honigfreund erwartet. Naturbelassener Honig und nix anderes. Ich hab mal auf der Website Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau mal nachgelesen was die ökologischen Aspekte für biologisches Imkern ist: Es geht darum „möglichst hochwertige Produkte herzustellen, die möglichst Tier- und umweltschutzgerecht erfolgen. Es werden aber auch wirtschaftliche Aspekte genannt. Zum Beispiel,“ weil Die Nachfrage nach Ökoprodukten ständig steigt und Betrieben eine mögliche Vermartkungsschiene eröffnet“. Ab 30 Bienenvölkern rentieren sich aber erst die Kosten die für die Zertifizierung und die regelmäßigen Kontrollen entstehen. Auch wenn das Agrarministerium hierzulande einen „Kontrollzuschuss“ von 200 € anbietet, ist bei unseren wenigen Wirtschaftsvölkern keine Option, da wir dann jedes Glas Honig etwa 2 € teuerer machen müssten obwohl es das gleiche Produkt ist. Ach ja, natürlich ist der Anforderungskatalog für Bioimker länger,

  • aber wir geben bei Bienen der Apis mellifera und ihren lokalen Ökotypen den Vorzug.
  • Die Bienenstöcke sind so aufzustellen, dass im Umkreis von drei Kilometern um den Standort Nektar- und Pollentrachten im Wesentlichen aus ökologischen/biologischen Kulturen und/oder Wildpflanzen und/oder Kulturen bestehen: Wir stehen mit unserem Bienenstand auf dem Gelände des Landschaftspark Hachinger Tal. Darüber hinaus können wir vermutlich auch nicht mehr sagen, als die meisten Bio-Imker.
  • Wir nutzen auch Bienenwohnungen aus Holz.
  • Waben mit Brut werden natürlich nicht geschleudert.
  • Wir verwenden vorwiegend Mittelwände aus pestizitfreien Wachs.
  • Selbstverständlich beschneiden wir nicht die Flügel der Königinnen.
  • Zur Bekämpfung der Varroa-Milbe nutzen wir nur organischen Säuren.
  • Zur Völkervermehrung nutzen wir sowohl die Ablegerbildung bei Schwarmtrieb (standbegattet), aber auch die Hinzunahme belegstellenbegatteter Königinnen, vorrangig um mit  varroaresistenten  und sanftmütigen Völkern arbeiten zu können. Hier sind Bioimker strenger (nur natürliche Vermehrung). Bei einer überschaubaren Anzahl von Vökern ist unser eigener Genpool dafür zu gering.

Ja, wir nehmen uns viel Zeit um den naturbelassenen Honig (keine Wärmebehandlung) per Hand zu rühren und dadruch eine tolle, cremige Konsistenz zu erhalten. Das dauert schon einige Wochen.

Nein, wir verwenden zur Wintereinfütterung keinen Biozucker. Als ich neulich von einem Bioimker erfahren habe, dass er seinen Zucker letztes Jahr aus Indien bezogen hat, musste ich schmunzeln.